Besetzte Gehirne
Der wertvollste Rohstoff des 21. Jahrhunderts ist weder Öl noch Gold, es ist unsere Aufmerksamkeit. Wer schon einmal in einer Großstadt war oder das Internet benutzt hat, wird wissen, in welchem Ausmaß versucht wird, diesen Rohstoff abzubauen. Wir haben akzeptiert, dass der öffentliche Raum nicht mehr den Bürgern zur Begegnung dient, sondern als gigantische Projektionsfläche für private Akkumulationsinteressen privatisiert wurde.
Aufmerksamkeitsökonomie
Während Kapital stetig wachsen muss, tut dies die Aufmerksamkeit nicht. Da jeder Mensch über ein identisches Kontingent von 24 Stunden verfügt, steht der kapitalistische Wachstumszwang vor einem Problem. In gesättigten Märkten kann Profit nicht mehr allein durch die Produktion von Gütern, sondern durch die maximale Extraktion von Aufmerksamkeit gesteigert werden. Was wir als psychische Belastung durch die Überstimulation der Großstadt wahrnehmen, ist nicht mehr oder weniger als der systematische Raub unserer Lebenszeit. Da der Tag leider nicht verlängert werden kann, muss das Kapital die Intensität und Frequenz so weit verdichten, bis unser Bewusstsein vollständig in eine industrielle Verwertungszone verwandelt wurde.
Zwang
In Städten bzw. dem gesamten öffentlichen Raum existiert de facto kein Recht auf Nicht-Teilnahme. Wer den Park besucht oder zur Arbeit fährt, ist der kommerziellen Beschallung schutzlos ausgeliefert. Hinzu kommt ein psychologischer Zwang, welcher durch Manipulation der natürlichen Instinkte maximiert wird. Des Weiteren wird das Stadtbild (F.M. Referenz) durch gigantische LED-Screens und Plakate ruiniert.
Werbung im Internet
Online ist Werbung nicht nur präsent, sie ist geradezu raubtierhaft. Es ist nicht bloß statisches Hintergrundrauschen, sondern es sind Algorithmen, die Schwachstellen in Echtzeit ausbeuten. Durch die permanente Überwachung und Analyse des Online-Verhaltens wissen Konzerne oft vor uns selbst, wann man emotional verletzlich, hungrig oder impulsiv ist.
Fazit
Wer versucht, in der Großstadt oder online eine Stunde lang jede Werbung zu zählen, wird nicht nur wegen der schieren Menge wahnsinnig, es ist die Erkenntnis der totalen Auslieferung, die erschüttert. Wir müssen aufhören, diese permanente Überstimulation als normalen Teil der Moderne zu akzeptieren.